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Bodenarbeit
Eine kleine Einführung in die Bodenarbeit
Welchen Zweck hat Bodenarbeit?
Überlegungen vor der Arbeit
Wie mache ich meinem Pferd klar, was ich von ihm will?
Welche Übungen kann man vom Boden aus ausführen?
Bücher und Zeitschriften über Bodenarbeit
Welchen Zweck hat Bodenarbeit?
Bodenarbeit dient normalerweise dazu, ein Pferd vor dem ersten
Aufsitzen auszubilden. Immer mehr wird aber auch ihr Wert für
schon ausgebildete Pferde erkannt. So ist die Bodenarbeit auch
eine wunderbare Alternative zum Reiten, wenn ein Pferd krank oder
alt ist oder einfach mal wieder Abwechslung braucht. Durch die
Bodenarbeit achtet das Pferd mehr die Körpersprache seines
Ausbilders und auch der Ausbilder wird sich seiner eigenen Körpersprache
viel stärker bewusst.
In den USA wurde ein spezielles Programm aus Bodenarbeit und
Körperberührungen (T.Touch) entwickelt (genannt T.T.E.A.M.),
das sich besonders bei Problempferden bewährt hat. Bei der
Arbeit vom Boden aus bleiben Verspannungen und Gleichgewichtsstörungen
durch das Reitergewicht aus, durch den T.Touch kann man Verspannungen
erkennen und lösen. Dadurch bewegt sich das Pferd entspannter
und in besserem Gleichgewicht. Letztendlich trägt Bodenarbeit
auch zur Sicherheit des Pferdes bei. Manche Pferde erschrecken
gewaltig vor Wasserpfützen, Plastikplanen, etc. Solche Pferde
kann man daheim spielerisch an die Gefahrenquellen gewöhnen.
Bodenarbeit ist also wirklich nützlich. Die Übungen,
die man mit dem Pferd vom Boden aus erarbeiten kann, sind beinahe
unbegrenzt. Jedes Pferd sollte aber zumindestens sich sicher führen
lassen, angebunden ruhig stillstehen, sich brav putzen und die
Hufe auskratzen lassen, sich sicher verladen lassen. Natürlich
soll der Reiter auch auf dem Boden vom Pferd immer als ranghöher
angesehen werden.
Überlegungen vor der Arbeit
Zuerst muss man sich selber genau darüber klar sein, was
man eigentlich will. Dabei muss man sich immer sicher sein, dass
das Pferd das von ihm verlangte auch wirklich leisten kann. Man
sollte Lektionen immer erst langsam aufbauen. Beispielsweise werde
ich von meinem Pferd nicht verlangen können, unangebunden
stehen zu bleiben, wenn es noch nicht einmal angebunden still
steht. Wenn man also sein Ziel festgelegt hat und sich überlegt
hat, was das Pferd schon kann und wie man es Schritt für
Schritt zum Ziel führen kann, kann es los gehen.
Wie mache ich meinem Pferd klar, was ich von ihm will?
Wir sind es gewohnt, durch absichtliche Signale wie Stimme und
Hand (bzw. Gerte) dem Pferd zu zeigen, was wir von ihm wollen.
Dabei lernt das Pferd durch Versuch und Belohnung oder durch das
Beispiel eines erfahrenen Pferdes die Bedeutung unserer Worte
zu verstehen. Die Bedeutung dieser Hilfen muss das Pferd allerdings
immer erst lernen. Auf unsere eigene Körpersprache, wie Mimik,
Körperhaltung oder auch die räumliche Position reagiert
das Pferd dagegen intuitiv. Oft ist dem Pferd unsere Körpersprache
wohl viel bewusster als uns selbst. Deswegen müssen wir auf
unsere Haltung und Gestik besonders achten. Unsere eigene Position
kann z.B. treibend wirken. Wenn wir direkt neben und auf Schulterhöhe
des Pferdes laufen, wird das Pferd schneller laufen, da wir uns
an der Grenze des Sehbereiches unseres Pferdes bewegen, was es
instinktiv zur Flucht veranlasst. Allerdings muss man jetzt aufpassen,
das Pferd immer noch unter Kontrolle zu halten, indem man ihm
z.B. in paar beruhigende Worte zuflüstert. Zum Rückwärtsrichten
werden wir uns dagegen nicht neben oder hinter das Pferd stellen.
Es ist also nicht schwer, die richtige Position zu wählen,
sobald man sich ein wenig Gedanken macht und über das Verhalten
von Pferden einigermaßen Bescheid weiß. Schwieriger
ist es, Körperausdruck und -haltung auf das Pferd abzustimmen,
da beides unbewusste Bewegungen sind und wir solche Bewegungen
nur schwer beeinflussen können.
Auf das Pferd wirken aber gerade diese Bewegungen besonders
stark. Ein Pferd wird nie lernen, ruhig stehen zu bleiben, solange
wir selber unruhig sind, genauso wenig wird es lernen, aufmerksam
über Stangen zu gehen, wenn wir selber unachtsam über
die Stangen schlürfen.
Für die Einübung der richtigen Körperhaltung kann
mentales Training sehr nützlich sein. Beispielsweise kann
man, wenn man mit dem Pferd ruhiges Stehen übt, die Augen
schließen und sich vorstellen, unter einem mächtigen
Baum zu sitzen - die Sonne spiegelt sich in seinen Blättern
- seine Äste hängen schwer herunter - Bienen summen,
... Wenn aber alle Versuche versagen und man einfach unruhig und
verspannt ist, weil einem gerade " wirklich wichtigere Dinge"
durch den Kopf gehen, sollte man lieber gar nicht mit dem Pferd
arbeiten. Nehmen wir aber jetzt einmal an, unser Pferd hat verstanden,
was wir von ihm wollen und die Übung wunderbar ausgeführt.
In diesem Fall sollten wir das Pferd kräftig loben und die
"Stunde" beenden, um das Pferd auf jeden Fall mit einem
positiven Lernergebniss wieder in den Stall bzw. die Koppel zu
schicken. Was man zuletzt gelernt hat, fällt einem schließlich
auch als erstes wieder ein!< Einige Tipps zum rechtzeitige
Beenden einer Übung.
Welche Übungen kann man vom Boden aus ausführen?
Alles, was man vom Sattel aus machen kann, kann man auch vom
Boden aus machen, und noch viel mehr! Grob kann man die Bodenarbeit
unterteilen in:
Longenarbeit:
Longenarbeit braucht nicht nur aus einem ewigen Kreis zu bestehen.
Man kann sein Pferd an der Longe auch an der langen Seite der
Bahn weitertreiben und somit auf einen neuen Zirkel wechseln oder
es über Stangen und Cavalettis longieren. Die Longenarbeit
sollte immer abwechslungsreich gestaltet werden und das Pferd
auf beiden Händen gleichmäßig longiert werden.
Erfahrene Ausbilder arbeiten auch mit der Doppellonge.
Labyrinthe:
Labyrinthe sind vor allem durch Trailreiten und T.T.E.A.M. bekannt.
Sie können in ihrem Aufbau unendlich variiert werden und
sowohl vorwärts oder rückwärts wie auch seitwärts
überschritten werden. Eng gelegte Labyrinthe fördern
- langsam durchschritten - das Körperbewusstsein des Pferdes.
Damit das Pferd mitdenken kann, ist es auch nützlich, im
Hindernis immer mal wieder anzuhalten.
Stangen, Bodenricks:
Die Arbeit über Stangen und Cavalettis ist wohl die gebräuchlichste
Art der Bodenarbeit. Umso abwechslungsreicher man die Stangen
legt, umso mehr werden das Gleichgewicht und die Koordination
des Pferdes gefördert.
Tonnen, Reifen, Tore, Plastikplanen, Wippe, Brücke:
Diese Hindernisse festigen die Scheufestigkeit der Pferde. Showtraining
(Kompliment, Ablegen, Steigen), Freispringen
Bücher und Zeitschriften im Internet, die sich mit Bodenarbeit
befassen:
Zeitschriften:
Pegasus Pferdemagazin Freizeit im Sattel T.T.E.A.M.-Newsletter
(s.T.T.E.A.M.)
Bücher:
Die Tellington-Methode:
So erzieht man sein Pferd, Ursula Bruns/Linda Tellington-Jones,
Müller-Rüschlikon, ISBN 3-275-00856-0 (s.T.T.E.A.M.)
Ich hoffe, diese Seite war einigermaßen informativ. Über
E-Mails würde ich mich freuen. Julia Marquardt (julia@iwo.cube.net)
Anke Bodzin, 1996-05-14
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